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Olympische und Paralympische Spiele: Drei starke Konzepte für Deutschland

Die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) haben am kommenden Samstag im Kurhaus Baden-Baden die Wahl zwischen drei starken Konzepten für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Zu diesem Ergebnis kommt die Evaluierungskommission des DOSB. Die Konzepte München (87,03 von 100 Punkten) und KölnRheinRuhr (85,02 Punkte) werden aufgrund ihrer Bewertung in den Kategorien „Sportfachliche & operative Eignung“ sowie „Internationale Strahlkraft & Nationale Akzeptanz“ im Abschlussbericht als „sehr gut“, das Konzept Berlin+ (74,64 Punkte) als „gut“ eingestuft. 

DOSB-Präsident Thomas Weikert, Vorsitzender der Evaluierungskommission, sagt: „Sportdeutschland kann stolz auf seine Bewerber sein. Uns liegen drei großartige Konzepte vor. Deutschland hat jetzt schon alles, um die Olympischen und Paralympischen Spiele auszurichten. Im Namen des gesamten deutschen Sports und der Olympischen Bewegung danke ich den Bewerbern für ihren hervorragenden Einsatz. Wir sind überzeugt, dass mit dem Abschlussbericht eine fundierte Grundlage für die außerordentliche Mitgliederversammlung vorliegt.“

Entsprechend der Beschlussfassung der Mitgliederversammlung 2025 hatte der DOSB gemeinsam mit den 42 olympischen Spitzenverbänden, dem Deutschen Behindertensportverband sowie den Arbeitsgruppen Vision & Legacy und Kosten & Finanzierung nach Einreichung der finalen Bewerbungskonzepte am 4. Juni und basierend auf dem am 27. Februar veröffentlichten Fragenkatalog die Konzepte in den Kategorien „Vision & Legacy“, „Kosten & Finanzierung“, „Sportfachliche & operative Eignung“, „Internationale Strahlkraft & Nationale Akzeptanz“ sowie dem nicht bewertungsrelevanten Bereich „Infrastrukturelle Sonderprojekte“ analysiert und bewertet.

Was ein Sieg bei Olympischen Jugendspielen für eine Sportlerkarriere bedeuten kann

Ein Boxer, der in den Seilen hängt, hat in der Regel ein Problem. Es sei denn, er tut dies abseits von Training oder Wettkampf, so wie Peter Kadiru an diesem Nachmittag in der Sporthalle des Hamburger Boxverbands. Gerade hat der Schwergewichtsprofi ein Sechs-Runden-Sparring mit Ammar Abduljabar, Olympiateilnehmer von Tokio 2021, hinter sich gebracht, der Schweiß rinnt ihm über Gesicht und Hals. Um sich zu lockern, fläzt der 29-Jährige sich in die Ringseile. Aber eine lange Erholungspause braucht er nicht, denn die Bedeutung Olympischer Jugendspiele, über die er mit dem DOSB sprechen soll, ist ihm so wichtig, dass er sofort ins Gespräch hineinspringt.

„Die Goldmedaille bei den Olympischen Jugendspielen steht bei mir bis heute ganz weit oben. Es war eine sehr besondere Zeit, aus der ich sehr viel gelernt und eine Energie mitgenommen habe, die mich bis heute trägt“, sagt er mit Blick auf den Titel, der seine Karriere früh geprägt hat. Am 27. August 2014, dem letzten Wettkampftag der Titelkämpfe von Nanjing (China), gewann der in Hamburg geborene Sohn ghanaischer Eltern als 17-Jähriger das Finale der Superschwergewichtsklasse gegen Darmani Rock. Und er gewann es nicht einfach nur, er führte den ein Jahr älteren US-Amerikaner derart vor, dass alle fünf Punktrichter jede der drei Runden für Kadiru werteten.

Verlorenes WM-Finale war Antrieb für die Jugendspiele

Um zu verstehen, was ihm dieser Triumph bis heute bedeutet, muss man wissen, dass sich die beiden Kontrahenten bereits ein Jahr zuvor bei der Junioren-WM in Bulgarien im Finale begegnet waren. Damals siegte Rock, umstritten zwar, aber er reiste als Weltmeister zu den Jugendspielen an. „Ich war damals zunächst mit der Silbermedaille zufrieden, weil ich bis dahin international noch keine Titel gewonnen hatte“, erinnert sich Peter Kadiru. Am Abend nach dem WM-Finale jedoch traf er im Teamhotel seinen Bezwinger, der betrunken mit einer Wodkaflasche im Arm auf dem Boden lag und nur mit tatkräftiger Unterstützung seines Teams auf sein Zimmer gebracht werden konnte. „Da habe ich gedacht: Gegen so einen habe ich verloren? Ich war mehrere Monate wütend über mich selbst, und dieses Gefühl hat mich angetrieben, vor den Jugendspielen so hart zu trainieren wie noch nie!“

Zu jener Zeit lebte der schon damals 1,92 Meter große und mehr als 100 Kilogramm schwere Athlet am Internat des Sportgymnasiums Schwerin, trainierte beim vor einem Jahr verstorbenen Bundesstützpunktleiter Michael Timm und seinem heutigen Cheftrainer Christian Morales. „Herr Morales hat sich schon damals extrem um mich gekümmert“, sagt er rückblickend. Weil die Vorbereitung auf die Spiele in China in die Sommerferien fiel und das Internat geschlossen war, lebte der Sportler bei Morales und dessen Familie. „Dafür bin ich bis heute dankbar, denn ich weiß nicht, wie ich die Vorbereitung sonst überstanden hätte“, sagt er.

Vor allem die Mensa beeindruckte Peter

Nie zuvor war der in einfachen Verhältnissen im Hamburger Stadtteil Altona aufgewachsene Faustkämpfer in China gewesen. Der Trip nach Nanjing war für ihn deshalb viel mehr als eine sportliche Dienstreise. „Ich bin bis heute nicht so der Typ, der von sich aus viel herumreist. Deshalb weiß ich es sehr zu schätzen, was ich durch meinen Sport von der Welt sehen durfte. Als 17-Jähriger konnte ich es noch nicht so richtig einordnen. Ich dachte nur: Digger, China! Das ist echt krass, dass ich das erleben darf!“ Die geschichtsträchtige Stadt Nanjing gefiel ihm zwar nur mäßig, dafür genoss er das Leben im Olympischen Dorf, in dem rund 3.800 Aktive untergebracht waren, in allen Facetten. „Es war ein prägendes Erlebnis, mit so vielen Athleten aus der ganzen Welt zusammen zu sein. Vor allem die Mensa war unglaublich, dort gab es wirklich alles, was ich mir vorstellen konnte“, sagt er.

Das Team Deutschland war mit 84 Athletinnen und Athleten nach China gereist, die allermeisten kannte Peter Kadiru vorher nicht. „Ich habe mir mein Zimmer mit zwei Taekwondo-Kämpfern geteilt. Aber auf unserem Flur war auch das weibliche Basketballteam. Es war total spannend und eine tolle Atmosphäre“, sagt er. Weil sein Finalkampf am letzten Wettkampftag angesetzt war, konnte praktisch das gesamte Team in der Halle anfeuern. Vor Kadiru hatte lediglich der Hamburger Einer-Ruderer Tim Ole Naske Gold für Deutschland gewinnen können. „Insofern war ich die letzte Hoffnung, und alle waren dabei, um mich zu unterstützen. Das hat mir so viel zusätzliche Energie gegeben! In dem Moment habe ich gespürt, was es wirklich bedeutet, Teil von Team Deutschland zu sein“, sagt er.

Eine Sportart auf der Erfolgswelle

Dass sich aus den vereinzelten Surf-Spots, wie sie an Stromschnellen am Eisbach in München oder an der Leinewelle in Hannover seit einigen Jahren zu finden sind, eine eigene leistungssportliche Kategorie und sogar eine internationale Bewegung entwickelt, hätten wohl selbst die Ambitioniertesten in der Rapid-Surf-Community nicht für möglich gehalten. Doch was 2019 bei der Premiere der Deutschen Meisterschaft (DM) im Rapid Surfen begann, bei den diesjährigen Finals in Hannover seinen bisher größten Erfolg in Deutschland feierte und in dieser Woche in der ersten Rapid-Surf-Europameisterschaft in der Schweiz seinen Höhepunkt findet, ist eben jene unerwartete Entwicklung.

26 Athlet*innen entsendet der Deutsche Wellenreitverband (DWV) zur historischen Premiere nach Ebikon bei Luzern. Darunter auch Junior*innen, die, so berichtet es Michael Zirlewagen (51), Präsident des DWV, „bei der Entwicklung der Sportart eine ganz besondere Rolle spielen“. Aufgrund der noch kleinen Strukturen und des großen Potenzials des Rapid Surfens sei es von enormer Bedeutung, die Jugendlichen mitzudenken. So fanden auch im Rahmen der Finals in Hannover neben der Rapid-Surf-DM auch die Junior*innen-Wettkämpfe vor großem Publikum statt. Die Premiere des Rapid Surfens bei den Finals in Hannover war die bisher größte Bühne der noch jungen, dynamischen Sportart. Die Venue an der Leinewelle in der Altstadt war sehr gut besucht und sorgte mit täglich fast 10.000 Besucher*innen für einen Rekord im Surfsport. Die Wettkämpfe wurden außerdem tausendfach gestreamt und auf den Social-Media-Plattformen geteilt und gefeiert. 

„Nachdem Rapid Surfen bei den Finals in Hannover erstmals dabei war und dort viele Zuschauer vor Ort und auch vor den Fernsehern begeistert hat, ist diese Europameisterschaft ein weiterer großer Meilenstein für unseren Sport“, berichtet Rapid-Surferin Lea Sasse (17). Sie surfte sich auf der Leinewelle in der Kategorie Open Women auf Platz vier und tritt nun auch bei der EM in Ebikon an. Dass sie bei der Premiere in der Schweiz starten darf, bedeute ihr viel und sie freue sich sehr darauf, „in der Kategorie Junior Girls (U18) gegen die besten Athletinnen Europas anzutreten, mich mit ihnen zu messen und zu zeigen, was ich kann.“ Aufgrund der starken Konkurrenz aus Ländern wie Österreich und der Schweiz erwartet Lea einen spannenden Wettkampf. Dennoch ist ihr klares Ziel: „eine Medaille für Deutschland zu holen.“ 

„Ich habe früh gewusst: Wenn sie es sagt, dann wird es schon stimmen“

Liebe Kathrin!

Vielleicht wunderst du dich, auf diesem Weg von mir ein Feedback zu bekommen, denn eigentlich ist es überhaupt nicht notwendig, dies schriftlich zu machen. Wir können schließlich über alles offen sprechen und tun dies auch immer wieder. Aber als die Anfrage des DOSB kam, ob ich bereit wäre, anlässlich des „Thanks Coach Days“ einen offenen Brief an dich zu verfassen, musste ich nicht lange überlegen, um zuzusagen. Ich finde es schön und wichtig, dass alle, die diese Zeilen lesen – ob aus unserer Trainingsgruppe oder aus dem Team Deutschland, ob Sportfans oder Vereinsmitglieder – erfahren, welche Rolle du für meine Karriere spielst.

Wir arbeiten noch gar nicht so lang zusammen. Dennoch bin ich immer wieder geflasht davon, wie schnell wir ein Vertrauensverhältnis entwickelt haben, das die Grundlage dafür legt, dass ich sportlich in dieser Saison große Schritte nach vorn gehen konnte. Als ich mich im vergangenen Winter zum Vereinswechsel entschlossen habe und gemeinsam mit meinem Bruder Matti zum Probetraining bei dir in Frankfurt kam, war für mich nach nur einer Einheit bei dir klar: Das mache ich!

Warum? Weil du eine Kompetenz ausgestrahlt hast, die mir genau das vermittelt hat, was ich gesucht habe. Und diese Kompetenz erlebe ich seitdem in jeder einzelnen Trainingseinheit. Ich bekomme, wenn ich es möchte, nach jedem Wurf ein Feedback, das mir ermöglicht, den nächsten Wurf ein kleines bisschen besser umzusetzen. Du untermauerst deine Anmerkungen mit belastbaren Daten, und auch wenn ich manchmal nur 30 Prozent von dem, was du sagst, komplett durchschaue, ist da dieses totale Vertrauen, das ich in deine Expertise habe, das mich deine Anregungen stets mit einem positiven Gefühl aufgreifen lässt.

Ich weiß, liebe Kathrin, dass es nicht immer einfach ist, mit mir umzugehen. Ich brauche manchmal den sprichwörtlichen Tritt in den Hintern, wenn mir das Gefühl dafür fehlt, in der notwendigen Form zu sein, um die von dir angeregten Dinge umzusetzen. In diesen Momenten gelingt es dir, mir aufzuzeigen, dass die Kurve nach oben zeigt. Und immer, wenn du das behauptet hast, ist es auch so gekommen. Ich glaube, dass es normal ist, einige Monate der gemeinsamen Arbeit zu brauchen, um Vertrauen zu fassen. Bei dir habe ich allerdings schon sehr früh gewusst: Wenn sie es sagt, wird es schon stimmen.

Olympiabewerbung: Wie läuft die Auswahl des deutschen Kandidaten?

Was steht an?

Am Samstag, dem 26. September, entscheidet sich im Kurhaus Baden-Baden, welcher deutsche Bewerber ins internationale Rennen um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 beim IOC gehen wird. Die außerordentliche Mitgliederversammlung (AOMV) des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beginnt um 9 Uhr. 

Bereits am Vortag finden diverse Sitzungen zur Vorbereitung statt. So tagt von 11 bis 14 Uhr das DOSB-Präsidium. Von 15 bis 16 Uhr finden die Vollversammlungen der olympischen und nicht-olympischen Fachverbände statt, von 16.30 bis 18 Uhr treffen sich die Spitzenverbände zur Konferenz. Und auch die Athletinnen und Athleten kommen zwischen 15 und 18 Uhr zu einer hybriden Vollversammlung zusammen.

Warum findet die AOMV in Baden-Baden statt?

Auf der 19. Mitgliederversammlung des DOSB am 3. Dezember 2022 in Baden-Baden wurde mit einem einstimmigen Beschluss der Grundstein für den mehrstufigen Strategieprozess zu einer möglichen Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele gelegt. Am kommenden Samstag kehrt der DOSB damit an den Ausgangspunkt dieses Prozesses zurück: In Baden-Baden entscheidet die außerordentliche Mitgliederversammlung über den nationalen Bewerber für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.

Wie kann ich die Veranstaltung verfolgen?

Die AOMV gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil beginnt um 9 Uhr und enthält auch den Teil der Abstimmung. Die Tagesordnung ist hier einzusehen. Der erste Teil kann hier im Livestream des DOSB verfolgt werden.

Wo kann ich die Bekanntgabe des nationalen Bewerbers verfolgen?

Die Verkündung des nationalen Bewerbers um Olympische und Paralympische Spiele erfolgt im zweiten Teil der AOMV in einer Sportschau-Sondersendung live in der ARD. Die Sendung läuft von 13.45 bis 14.45 Uhr live in der ARD sowie in einigen dritten Programmen und im Live-Stream in der ARD-Mediathek. Die Sendung moderiert Esther Sedlaczek.

Welche Konzepte stehen zur Wahl?

Die stimmberechtigten Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB haben am kommenden Samstag die Wahl zwischen drei Konzepten für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044: Berlin+KölnRheinRuhr und München.

Wer nimmt teil?
Zur AOMV wurden alle Mitglieder der DOSB-Mitgliederversammlung gemäß Satzung eingeladen. Dazu gehören u. a. die Vertreter*innen der 103 DOSB-Mitgliedsorganisationen. Die Anzahl der entsendbaren Delegierten richtet sich nach den jeweiligen Stimmrechten der Organisationen gemäß DOSB-Satzung. Unter den Gästen befinden sich auch einige prominente Persönlichkeiten aus Sport und Politik. So wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Schirmherr des DOSB die Veranstaltung begleiten und ein Grußwort halten sowie an der Verkündung des nationalen Bewerbers teilnehmen. Aus dem Sport vertreten sein werden unter anderem Boris Becker, Michael Groß, Isabell Werth, Alexandra Burghardt, Matthias Steiner, Svenja Brunckhorst, Niko Kappel und viele mehr. 

Wer darf abstimmen?

Stimmberechtigt sind gemäß § 16 der DOSB-Satzung die 42 olympischen Spitzenverbände mit jeweils drei Stimmen. Hinzu kommen die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums, die beiden deutschen IOC-Mitglieder Kim Bui und Michael Mronz eingeschlossen, sowie acht persönliche Mitglieder, die zuvor Aktive des Team-D waren. Diese Mitglieder haben jeweils eine Stimme. Daraus ergibt sich nach §16 eine Gesamtstimmenzahl von 144 Stimmen. Mehr Informationen dazu gibt es hier

Wie viele Stimmen sind notwendig?

Um als nationaler Bewerber gewählt zu werden, ist eine absolute Mehrheit notwendig. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen muss auf einen Bewerber entfallen. Außerdem gilt: Die Stimmen eines Verbandes müssen geschlossen abgegeben werden. Eine Aufteilung der Stimmen eines Verbandes ist nicht zulässig.

Wie geht es mit der Olympiabewerbung weiter?

Der aktuelle Bewerbungsprozess ist eine nationale Aufgabe. Es geht dabei nicht nur um die Frage „Wo?“, sondern vor allem darum, wie wir Deutschland vor, während und nach den Spielen fit für die Zukunft machen können. Die Spiele sind die Bewegung, die Deutschland jetzt braucht. Am 26. September entscheidet sich, welcher Kandidat für unser Land ins Rennen geht. Im Anschluss wird es darum gehen, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiterzugehen. Aufgabe des DOSB wird es sein, dafür zu sorgen, dass die Legacy der Bewerbung im gesamten Land wirkt und das aktuelle Momentum erhalten bleibt. Die Begeisterung für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele soll dabei über den gesamten weiteren Prozess hinweg spürbar bleiben.

Mit dem IOC befindet sich der DOSB seit November 2025 im Continuous Dialogue. Auf den Continuous Dialogue folgt der Strategic Dialogue. Diese strategische Dialogphase soll im Rahmen der Vergabe der Spiele 2036 erstmals im März 2027 beginnen und den Austausch zwischen dem IOC und interessierten Bewerbern weiter vertiefen, auch um eine möglichst hohe Passfähigkeit mit den IOC-Zielen zu schaffen. Ende 2028 soll dann der Targeted Dialogue mit einem oder mehreren Bewerbern eröffnet werden. Die Entscheidung über den Ausrichter für 2036 soll im Sommer 2029 fallen.

Hockey-Herren sind „Sportler des Monats“ August 

Die deutschen Hockey-Herren, die “Honamas", sind die „Sportler des Monats“ August. Mit ihrem Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Belgien und den Niederlanden verteidigte die Mannschaft um Kapitän Tom Grambusch ihren Weltmeistertitel aus dem Jahr 2023 und feierte bereits den vierten WM‑Triumph ihrer Geschichte. Das 1:0 im Finale gegen Spanien krönte eine souveräne Turnierleistung und bedeutete Gleichzug mit Rekordhalter Pakistan. Diese herausragende Leistung würdigten nun auch die Sporthilfe-geförderten Athletinnen und Athleten mit 45,5 Prozent der Stmmen mit der Wahl zum „Sportler des Monats“ August.

Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Sporthilfe-Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting. 

Hinter den Hockey-Herren sichert sich Darja Varfolomeev Platz zwei (40,1 %) bei der Sporthilfe-Wahl. Die Olympiasiegerin von 2024 begeisterte bei der Heim-Weltmeisterschaft in Frankfurt am Main und gewann drei Goldmedaillen sowie einmal Bronze. Mit nun insgesamt 14 WM‑Titeln unterstrich sie ihre Ausnahmestellung in der Rhythmischen Sportgymnastik und bestätigte einmal mehr eindrucksvoll ihre aktuelle Dominanz. 

Platz drei ( 14,4 %) bei der Sporthilfe-Wahl geht an das deutsche Springreit-Team, das bei der Heim-WM in Aachen einen herausragenden Erfolg feierte. Marcus Ehning, Sophie Hinners, Daniel Deußer und Richard Vogel gewannen mit nur 4,48 Strafpunkten souverän Mannschaftsgold und sicherten sich erstmals seit 16 Jahren wieder den Weltmeistertitel. Die deutsche Equipe setzte sich deutlich vor Belgien und Großbritannien durch und krönte damit eine starke Saison. 

Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden.
 

Deutsche Sporthilfe

„Die Gier, unbedingt Handballspielerin werden zu wollen, wollen wir wecken“

Im September 2025 übernahm Heike Ahlgrimm im Deutschen Handballbund (DHB) die Position der Chef-Bundestrainerin für den weiblichen Nachwuchs. Ein gutes Jahr später ist die 51-Jährige Teil eines sehr interessanten und zukunftsweisenden Projekts: Vier Bundesstützpunkte möchte der DHB in den kommenden Jahren für seine weiblichen Talente installieren, um die Ausbildung zu verstetigen und den Besten ihrer Jahrgänge optimale Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Im Gespräch mit dem DOSB erläutert die gebürtige Leipzigerin, die von 2012 bis 2014 bei Bayer Leverkusen und anschließend zehn Jahre in Bensheim/Auerbach als Cheftrainerin aktiv war, welche Bedeutung dieses Projekt für den Frauen-Handball in Deutschland haben kann.

DOSB: Heike, 2027 werden in Leipzig und Stuttgart die ersten beiden Bundesstützpunkte im weiblichen Bereich ihre Arbeit aufnehmen. Warum ist der DHB so lange ohne diese ausgekommen?

Heike Ahlgrimm: Die Idee gibt es tatsächlich schon lange, es hat aber immer an der Umsetzung gehapert. Natürlich könnte man sagen: Der weibliche Nachwuchs ist auch ohne Bundesstützpunkte erfolgreich. Dennoch merken wir immer wieder, dass wir die Ausbildung derart verbreitern müssen, dass wir unserem Nachwuchs die besten Möglichkeiten bieten können, um es flächendeckend ganz nach oben zu schaffen. Das, was dem A-Nationalteam mit dem Gewinn der Silbermedaille bei der WM im vergangenen Jahr gelungen ist, wollen wir regelmäßig ermöglichen, und dafür braucht es konzentrierte Arbeit an zentralen Stützpunkten. Ich möchte ausdrücklich sagen, dass es im weiblichen Bereich viele kleine Vereine gibt, die eine tolle Arbeit leisten. Aber sie stoßen an Grenzen, und ohne es despektierlich zu meinen: In jedem Verein gibt es ein Sternchen, das unterfordert ist und eine andere Form der Entwicklungsmöglichkeit braucht. Die wollen wir mit den Bundesstützpunkten bieten.

Im männlichen Nachwuchs wird gar nicht mit Bundesstützpunkten gearbeitet. Warum nicht? Wie funktioniert das Nachwuchssystem dort?

Dort sind viele Bundesligavereine über ihre Nachwuchsleistungszentren so gut aufgestellt, dass es keine zentralen Stützpunkte braucht. Sie haben einen sehr guten Unterbau und finanzielle Möglichkeiten, die es im weiblichen Bereich leider noch nicht gibt. Dort fließen die finanziellen Mittel fast ausschließlich in die Bundesligamannschaften. Das ist im männlichen Bereich einfach anders.

Nach welchen Kriterien wurden die Standorte festgelegt, und wann kommen im Norden und Westen noch Bundesstützpunkte dazu?

Unser Ziel ist, vier Bundesstützpunkte aufzubauen. Wir haben uns auch im europäischen Ausland umgeschaut, wo es in vielen Nationen wie beispielsweise den Niederlanden nur einen zentralen Standort gibt, aber dafür ist Deutschland einfach zu groß. Deswegen streben wir eine möglichst optimale regionale Abdeckung an. Wichtig ist, dass die Wege für die Spielerinnen nicht allzu lang werden. Stuttgart ist ein toller Standort, weil es im Süden bislang noch keine vergleichbaren Strukturen im Nachwuchsbereich gibt. Leipzig bietet eine gute Infrastruktur. Im Westen wird wahrscheinlich Dortmund der Standort sein, dort soll mittelfristig das DHB-Campus-Konzept realisiert werden. Im Norden wird es ebenfalls eine große Stadt werden. Einen genauen Zeitplan, bis wann die vier Bundesstützpunkte betriebsbereit sein werden, haben wir noch nicht. Ich bin vor allem froh, dass es jetzt endlich in Leipzig und Stuttgart losgeht. Es ist ein Projekt, für das wir Geduld und Ausdauer benötigen, aber von dessen Erfolg ich überzeugt bin.

Der weibliche Bereich hat sich zuletzt schon sehr erfolgreich gezeigt. Die Frauen mit Silber bei der Heim-WM im vergangenen Jahr, die Nachwuchsjahrgänge 2006 und 2007mit dem Sieg bei EM und WM. Was kann und was muss sich durch das Bundesstützpunkt-System trotzdem noch verbessern?

Ganz klar: die individuelle Ausbildung! Wenn wir uns mit den im Frauen-Handball führenden Nationen vergleichen, dann sehen wir, dass es oftmals individuelle Klasse ist, mit deren Hilfe Spiele entschieden werden. Deshalb wollen wir unseren Spielerinnen in der Ausbildung alle Skills mitgeben, die es braucht, um auf höchstem Niveau mithalten zu können, und das geht am besten über eine starke Gruppe, an der man sich orientieren und von der man sich anspornen und inspirieren lassen kann. Nur weil wir gerade durchaus erfolgreich sind, dürfen wir nicht den Fehler machen und glauben, dass das so weitergeht. Gerade im Erfolg muss man sich weiterentwickeln und noch viel härter arbeiten, um das Niveau auch halten und bestenfalls ausbauen zu können. Wenn uns das gelingt, dann können wir dauerhaft auch mit Norwegen oder Dänemark mithalten.

Welche Bereiche der Förderung muss ein Bundesstützpunkt abdecken, was wird dort angeboten?

Unser Ziel ist es, ein Rundum-Sorglos-Paket zu schnüren. Dieses beinhaltet Handballtraining bei einem hauptamtlich beschäftigten Coach auf höchstem Niveau. Wir begleiten die Spielerinnen unter der Leitung unserer Verbandspsychologin Katja Schülke im mentalen Bereich. Es gibt umfassende medizinische und physiotherapeutische Betreuung, dazu umfangreiches Athletiktraining, das durch unseren Bundestrainer Athletik, Dr. Simon Overkamp, gesteuert wird. Außerdem sorgt die Kooperation mit Eliteschulen des Sports vor Ort dafür, dass die Spielerinnen den Spagat zwischen Schule und Spitzensport – mit bis zu acht Trainingseinheiten in der Woche und dank der Kooperation eben auch vormittags – bestmöglich bewältigen können, denn selbstverständlich ist uns die schulische Ausbildung ein wichtiges Anliegen.

An welche Altersklasse richten sich die Angebote, und was bedeutet dieser Schritt für die Talente, die ihren Lebensmittelpunkt an die Stützpunkte verlegen sollen?

Wir starten mit den Jahrgängen 2010 und 2011 und wollen mittelfristig an jedem Standort 18 bis 20 Spielerinnen betreuen. Diese ziehen an den Stützpunkten ins Internat, trainieren dort von montags bis donnerstags, gehen die ganze Woche über dort zur Schule, reisen dann aber am Freitagmittag nach Hause zurück und können dort für ihre Heimatvereine spielen. Das ist uns sehr wichtig, um die Vereine an der Stelle auch für ihre Ausbildung zu belohnen. Es kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Talente zu großen Clubs wechseln, aber sie sollen dies ganz bewusst nicht sofort tun müssen. Im Internat lernen sie aber bereits, ihr Leben selbst zu organisieren.

Team D-Athlet*innen für Dakar 2026 nominiert

Der DOSB hat am heutigen Dienstag (15. September) in seiner Nominierungssitzung 50 junge Athlet*innen offiziell für das Team Deutschland nominiert, um bei den Olympischen Jugendspielen Dakar 2026 an den Start zu gehen. Team Deutschland wird bei den Olympischen Jugendspielen vom 31. Oktober bis 13. November 2026 in 17 Sportarten vertreten sein. Die Athlet*innen sind zwischen 14 und 17 Jahre alt und gehören zu den vielversprechendsten Nachwuchssportler*innen Deutschlands. 

Die Olympischen Jugendsommerspiele Dakar 2026 markieren einen historischen Meilenstein für die Olympische Bewegung und das Internationale Olympische Committee (IOC). Erstmals wird eine olympische Veranstaltung auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen. Wettkampfstätten befinden sich in der senegalesischen Hauptstadt Dakar sowie in den Städten Diamniadio und Saly.

„Ich mag es am liebsten, wenn die Rennen hart sind“

DOSB: Franziska, welchen Stellenwert hat die WM für dich in dieser an Höhepunkten reichen Saison?

Franziska Koch: Obwohl ich bereits eine tolle Saison hatte, freue ich mich sehr auf die WM. Sie hat sportlich einen hohen Stellenwert für mich.

Du bist für alle drei Wettbewerbe nominiert. Haben alle die gleiche Priorität oder wie priorisierst du?

Einzelzeitfahren und Straßenrennen haben die gleiche Priorität, auf beiden liegt mein klarer Fokus. In der Mixedstaffel möchte ich natürlich auch alles geben. Dort zählt aber vorrangig die Leistung des gesamten Teams. Wir haben in der Vergangenheit schon gezeigt, dass wir gemeinsam zu großartigen Leistungen imstande sind. Wenn mein Fokus nicht auch auf dem Teamevent liegen würde, dann dürfte ich gar nicht an den Start gehen.

Auf Rundfahrten seid ihr es gewohnt, jeden Tag volle Leistung abzurufen. Wie steuert man die Belastung innerhalb einer Woche mit „nur“ drei Rennen? Was verändert sich dadurch an der Vorbereitung und Herangehensweise?

Wir haben bei der WM tatsächlich ein paar Ruhetage, an denen man eine gute Balance finden muss zwischen dem Zulassen von Ruhe und Erholung, aber den Körper dennoch im Betriebsmodus zu halten, um startklar zu bleiben. An der Herangehensweise ändert sich nicht so viel, außer dass die Woche etwas entspannter angegangen werden kann als bei einer großen Rundfahrt.

Worin liegt für dich der Unterschied, für Deutschland anstatt für dein Team FDJ United-Suez anzutreten?

Man muss mehr packen, wenn man fürs Nationalteam antritt! Ich musste meine Räder, meine Helme, auch meine Energieregel selbst einpacken, das erledigt normalerweise das Team für mich. Und ich arbeite jetzt mit Menschen zusammen, die ich im Verlauf einer Saison nicht so häufig sehe. Aber das läuft sehr gut, wir haben eine tolle Betreuung. Ich starte sehr gern für Deutschland!

Was hat der Wechsel des Teams zu dieser Saison für dich bewirkt?

Er hat mir sehr gut getan. Ich habe einen neuen Input gebraucht, den ich bekommen habe. Ich habe einen neuen Trainer vom Team gestellt bekommen, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite. Der Spaß an der Arbeit ist groß, dieser Tapetenwechsel war sehr wichtig für mich. Eine glückliche Athletin ist eine gute Athletin.

Der Sieg bei Paris – Roubaix in diesem Jahr als erste Deutsche bei diesem prestigeträchtigen Rennen hat dich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Welche Reaktionen darauf haben dich besonders gefreut und was hat dieser Sieg für dich in Gang gesetzt?

Dieser Sieg hat mir einiges mehr an Aufmerksamkeit und Bekanntheit beschert. Es ist sehr cool, wenn man zum Beispiel am Flughafen um ein gemeinsames Foto gebeten wird. Das zeigt mir, welchen Einfluss man auf die Fans haben kann, und dafür bin ich sehr dankbar, weil ich es bislang nicht so kannte.

Du hast oft erwähnt, welche Rolle deine Eltern für deine Karriere gespielt haben und immer noch spielen. Wie hat sich diese Beziehung im Verlauf der vergangenen Jahre verändert?

Die Beziehung zu meinen Eltern ist immer noch super, aber wenn man professionell unterwegs ist, ist es normal, dass ihr Einfluss abnimmt. Mein Vater hat lange mein Training geleitet und wir sind als Familie zu den Rennen gefahren. Dass die Eltern immer dabei sind, hat sich geändert, aber ich kriege immer noch Hinweise oder Tipps von meinem Vater mit auf den Weg, und das finde ich sehr schön.

„Klimaanpassung ist für uns kein einmaliges Bauprojekt“

Wie können Sportvereine ihre Sportanlagen an die Folgen des Klimawandels anpassen? Der FSV 1926 Cappel e.V. hat gemeinsam mit dem Öko-Institut und weiteren Partnern ein Klimaanpassungskonzept entwickelt und berichtet im Interview über konkrete Maßnahmen und Erfahrungen.

Wie Extremwetter den Sportsommer verändert

Der Klimawandel verändert die Bedingungen unter denen Sport stattfindet. Besonders deutlich wird das bei hohen Temperaturen – sie können die Leistungsfähigkeit beeinflussen und gesundheitliche Risiken für Sportler*innen, Zuschauer*innen, Helfende und weitere am Sport beteiligte Personen erhöhen. Gleichzeitig zeigt der Sportsommer 2026, dass Anpassungen möglich sind. 

Von Verkürzungen bis zur Veranstaltungsabsage

Beim IRONMAN Frankfurt (28.06) wurden aufgrund der zu erwartenden Hitze sowohl die Rad- als auch die Laufstrecke deutlich verkürzt. Beim hella hamburg halbmarathon fiel die Entscheidung noch weitreichender aus: Die für den 28. Juni geplante Veranstaltung wurde wegen der erwarteten Temperaturen von bis zu 37 Grad zunächst abgesagt und später auf den 25. Oktober verschoben. Trotz eines umfangreichen Wetterschutzkonzepts konnten gesundheitliche Risiken für Teilnehmende, Helfende und Einsatzkräfte nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden.

Auch der organisierte Sport reagierte. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) beispielsweise sagte Ende Juni aufgrund der extremen Temperaturen sämtliche von ihm organisierten Verbandsspiele und -turniere für ein ganzes Wochenende ab. Betroffen waren rund 4.400 Partien, insbesondere im Junior*innenbereich. Für nicht vom Verband organisierte Spiele empfahl der BFV, bei hohen Temperaturen auf Absagen oder gegebenenfalls auf kühlere Morgen- und Abendstunden auszuweichen.

Diese Beispiele zeigen: Klimaanpassung ist längst keine Zukunftsaufgabe mehr. Veranstalter, Verbände und Vereine stehen zunehmend vor der Frage, wie Sport auch unter veränderten klimatischen Bedingungen sicher und attraktiv gestaltet werden kann. Dabei geht es nicht immer um große bauliche Veränderungen. Angepasste Trainings- und Wettkampfzeiten, Trink- und Kühlmöglichkeiten, klare Entscheidungswege bei Extremwetter und eine gute Kommunikation können bereits einen wichtigen Beitrag leisten. 

Eine Heim-WM, bei der Erfolg fast garantiert werden kann

Heim-WM! Es gibt nicht vieles, was Sportlerinnen und Sportler mehr elektrisiert als die Aussicht auf Welttitelkämpfe vor der eigenen Haustür. Und so überrascht es kaum, dass auch Nina Hachenburg und Jonas Vieren ihre Vorfreude auf das, was in dieser Woche in Duisburg auf sie wartet, als „riesig“ beschreiben. Die Ausgangslage jedoch ist für die beiden Kanupolo-Spitzenkräfte, die in der Bundesliga für die Wassersportfreunde Liblar antreten und in dem renommierten Verein aus Erftstadt regelmäßig gemeinsam trainieren, durchaus unterschiedlich. Während Jonas mit den deutschen Männern bereits dreimal Weltmeister war und mit 36 Jahren der Routinier des Teams ist, steht die 22 Jahre alte Nina zum ersten Mal im WM-Kader der A-Nationalmannschaft.

„Bei meiner ersten WM-Teilnahme gleich vor heimischem Publikum antreten zu dürfen, ist natürlich etwas ganz Besonderes für mich. Es werden richtig viele Freunde und Familienmitglieder dabei sein“, sagt die Allrounderin, die an der Deutschen Sporthochschule in Köln Sportmanagement studiert. Jonas, der als Produktionsingenieur im Werkzeugbau arbeitet, hat zwar schon eine Heim-WM erlebt, allerdings nur als Zuschauer. „Bei der WM 2002 im Essener Grugabad war ich zwölf Jahre alt und stand mit einer Trommel auf der Tribüne. Damals habe ich gedacht, wie cool es wäre, einmal als Aktiver bei einer Heim-WM dabei zu sein. Dass dieser Traum nach so vielen Jahren nun Realität wird, ist eine richtig große Sache für mich“, sagt er.

Bereits an diesem Montag wird die WM auf der Regattabahn im Sportpark Duisburg feierlich eröffnet, der Spielbetrieb startet am Dienstag mit den U-21-Teams, die ebenfalls Teil der WM sind. Die A-Nationalteams greifen am Mittwoch erstmals ein. Die Frauen treffen um 9.10 Uhr auf Malaysia, die Männer um 9.45 Uhr auf Japan. Insgesamt werden 76 Mannschaften aus 28 Nationen mit mehr als 700 Athletinnen und Athleten erwartet, 359 Partien stehen bis zum Sonntag auf dem Spielplan. Dass alle vier Finals deutsche Beteiligung aufweisen werden, ist keinesfalls unrealistisch, sondern das klare Ziel des Dachverbands DKV. Chefbundestrainerin Leonie Wagner sagt: „Das Ziel ist, dass wir am Ende vier Medaillen in Deutschland behalten. Vor allem möchte ich aber, dass wir unseren Besucherinnen und Besuchern spannende und intensive Wettbewerbe präsentieren, die Lust auf Kanupolo machen.“

„Wir wollen den Schach-Boom weiter anheizen“

Samarkand, das ist Musik in den Ohren der an Kunst- und Kulturgeschichte Interessierten. Die 600.000 Einwohner*innen zählende Stadt im Südosten Usbekistans, eine der ältesten durchgehend bewohnten Siedlungen Asiens, liegt an der historischen Seidenstraße und ist für ihre Moscheen und Mausoleen weltbekannt. Doch Samarkand kann auch Sportgroßveranstaltungen durchführen, und das ist der Grund dafür, dass Elisabeth Pähtz und Matthias Blübaum in den kommenden zwei Wochen keine Kapazitäten haben werden, um die touristischen Höhepunkte auszuchecken. Die beiden Großmeister treten mit den deutschen Nationalmannschaften zur Schach-Olympiade an, dem größten und wichtigsten Teamwettbewerb ihres Sports. „Schach ist zwar ein Einzelsport, aber für uns als Team ist es der wichtigste Wettkampf der Saison, zumal die Olympiade auch nur alle zwei Jahre stattfindet“, sagt Matthias.

Der 29-Jährige, der in Bielefeld lebt, geht mit der Erfahrung in seine fünfte Olympiade, mit den Besten der Welt mithalten zu können. Der Weltranglisten-52. startete im April dieses Jahres beim Kandidatenturnier für die WM, die Ende des Jahres in Genf zwischen dem indischen Titelverteidiger Dommaraju Gukesh und Turniersieger Javohir Sindarov (Usbekistan) stattfindet, und belegte dort Platz sechs. „Ob ich dadurch schachtechnisch viel gelernt habe, kann ich gar nicht sagen. Aber die Teilnahme hat mir die Angst genommen, mich gegen die Besten der Welt behaupten zu müssen, ich gehe nun mit einem anderen Selbstvertrauen ans Brett“, sagt er. In Samarkand ist Matthias im fünf Spieler umfassenden Aufgebot von Bundestrainer Jan Gustafsson die Nummer zwei hinter dem Weltranglistensechsten Vincent Keymer (21). Zudem zählen noch die Svane-Brüder Rasmus (29) und Frederik (22) sowie Alexander Donchenko (28) zum Kader.

Einen noch höheren Stellenwert hat die Olympiade für Elisabeth Pähtz. Die erfolgreichste und bekannteste deutsche Schachspielerin der Gegenwart, die 2022 als erste Deutsche den allgemeinen Großmeistertitel zuerkannt bekam, hat seit 1998 keine Ausgabe verpasst und startet in Samarkand zum 13. Mal in Folge für Deutschland. „Für mich ist die Olympiade so etwas wie mein Lebenslauf, seit ich als Zwölfjährige zum ersten Mal daran teilgenommen habe. Individuell mag es wichtigere Turniere geben, aber als Teamevent ist sie das Größte für uns“, sagt die 41-Jährige, die das Aufgebot von Bundestrainerin Zahar Efimenko anführt. Außerdem zählen Dinara Wagner (27), Hanna-Marie Klek (31), Lara Schulze (24) und die Deutsche Meisterin Jana Schneider (24) zum Kader.

So startest du mit Basketball: 5 Tipps für Mädchen und Frauen

Die Basketball-Heim-WM 2026 steht unter dem Motto „We Own The Game“ und setzt ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung und Vielfalt. Gleichzeitig zeigt sich auch im Basketball noch immer eine Unterrepräsentanz von Frauen und Mädchen, sowohl auf dem Spielfeld als auch im Coaching.

Dabei waren die vergangenen Jahre für den Frauenbasketball in Deutschland historisch: die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024, Olympiagold für Team D im 3x3-Basketball und ein starker fünfter Platz bei der Women’s EuroBasket 2025. Mit der Heim-WM in Berlin rückt die Sportart nun noch stärker in den Fokus.

Du möchtest selbst loslegen? Dann kommen hier fünf Tipps.

Klingenthal ist Eliteschule des Jahres 2025

Die Eliteschule des Sports Klingenthal / Sachsen ist vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Sparkassen-Finanzgruppe als „Eliteschule des Jahres 2025“ ausgezeichnet worden. Die Ehrung würdigt die herausragende Arbeit des Sportcampus Klingenthal, des dazugehörigen Sportinternats sowie des Standorts Klingenthal des Olympiastützpunkts Sachsen.

Besonders positiv floss bei der Bewertung der Jury der Umgang mit neuen olympischen Sportarten ein. Die EdS Klingenthal hat hierbei bereits mehrfach eine Vorreiterrolle übernommen: So wurde die ehemalige Schülerin Ulrike Gräßler 2009 erste deutsche WM-Medaillengewinnerin im Skispringen, zudem setzte der Standort in der Nordischen Kombination der Frauen früh Maßstäbe und stellte 2020 mit Jenny Nowak die erste deutsche Meisterin und Juniorenweltmeisterin in dieser Disziplin. Schule, Internat und Leistungssport arbeiten eng zusammen, um jungen Athlet*innen die bestmögliche Kombination aus schulischer sowie sportlicher Höchstleistung zu ermöglichen.

DOSB-Vorstand Leistungssport Olaf Tabor: „Die Eliteschulen des Sports leisten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Talenten im und für den Leistungssport in Deutschland. Die Eliteschule Klingenthal hat sich insbesondere im Wintersport sehr verdient gemacht, ist immer wieder neue Wege gegangen und hat sich stets weiterentwickelt, um ihren Schüler*innen und Nachwuchsleistungssport*innen die bestmöglichen Bedingungen zu bieten, damit sie sich auf ihren Sport konzentrieren und gleichzeitig ihre schulischen Leistungen im Blick behalten können. Dafür gebührt Klingenthal unser Dank und unsere Anerkennung.“

Schlag den Brand! Wie eine Sportabzeichen-Wette mehr als 900 Menschen bewegte

Zum 750-jährigen Dorfjubiläum schloss der SV Engelhelms eine besondere Wette mit dem Parlamentarischen Staatssekretär bei der Ministerin für Bildung, Familie, Senioren Frauen und Jugend sowie gebürtigen Engelhelmser Michael Brand MdB (52/CDU) ab: Bis zum 21. August, dem großen Jubiläumsabend, sollten 750 Menschen das Deutsche Sportabzeichen ablegen. So viele Sportabzeichen innerhalb weniger Monate? Viele hielten das zunächst für völlig unrealistisch. Doch am Ende stand ein Ergebnis, das selbst Initiatorin Sabrina Bohl überraschte.

Der Ausgangspunkt für die außergewöhnliche Aktion lag in einer ganz persönlichen Wiederentdeckung. „Ich habe vor mehr als 30 Jahren das Sportabzeichen abgelegt. Als ich mit meiner Kindersportgruppe nach einer neuen Herausforderung gesucht habe, kamen mir wieder die positiven Erinnerungen daran, wie schön dieses Gefühl ist, gemeinsam das Abzeichen abzulegen“, erzählt die Übungsleiterin des SV Engelhelms. Bei Veranstaltungen des Sportkreises Fulda-Hünfeld erlebte sie die besondere Atmosphäre rund um das Sportabzeichen erneut hautnah: „Da hat es mich direkt wieder gecatcht.“

Aus dieser Begeisterung entstand wenig später eine Idee. Im Jubiläumsjahr ihres Heimatortes fragte sich Bohl, ob sich die Zahl 750 nicht auch sportlich nutzen ließe. Gemeinsam mit ihrem Mann entwickelte sie den Gedanken, 750 Menschen für das Deutsche Sportabzeichen zu begeistern und dafür den gebürtigen Engelhelmser und beliebten Politiker Michael Brand herauszufordern. Die Idee wurde vom Ortsvorsteher sofort aufgegriffen und öffentlich gemacht. Michael Brand war als langjähriger Unterstützer des SVE, in dem er selbst früher aktiv Fußball spielte, sofort dabei, wie er selbst in einem Interview mit dem DOSB erzählt. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich daraus eine Bewegung, die weit über die Dorfgrenzen bekannt wurde.

Vier Neue in der „Hall of Fame des deutschen Sports“

Die zweifache Olympiasiegerin und siebenmalige Biathlon-Weltmeisterin Laura Dahlmeier, der Olympiasieger und Weltmeister im Kunstturnen Fabian Hambüchen, Deutschlands erfolgreichster Skirennläufer im alpinen Weltcup, Felix Neureuther, sowie die Doppel-Olympiasiegerin und frühere Weltrekordhalterin im Schwimmen, Britta Steffen, sind von der Jury in die von der Sporthilfe initiierte „Hall of Fame des deutschen Sports“ gewählt worden.

Die vier Athletinnen und Athleten, die von Sporthilfe, Deutschem Olympischen Sportbund und dem Verband Deutscher Sportjournalisten als den drei Trägern der „Hall of Fame“ der Jury vorgeschlagen wurden, stehen damit ab sofort in einer Reihe von insgesamt jetzt 142 herausragenden Sportpersönlichkeiten, die durch ihren Erfolg im Wettkampf oder durch ihren Einsatz für Sport und Gesellschaft Geschichte geschrieben haben.

Die offizielle Aufnahmefeier findet am Donnerstagabend, den 26. November 2026 bei PwC Deutschland, Nationaler Förderer der Sporthilfe, in Frankfurt am Main statt.

„Eigentlich denke ich nur noch an Olympia“

In der BT-Arena in Cluj-Napoca startet am Donnerstag dieser Woche die EM-Mission der deutschen Volleyball-Männer. Die Mannschaft von Bundestrainer Massimo Botti, die an diesem Dienstag aus dem Trainingslager in Kienbaum nach Rumänien reist, trifft in Gruppe D zum Auftakt um 19 Uhr auf die Türkei. Weitere Gruppengegner sind Lettland (11. September, 16 Uhr), Gastgeber Rumänien (12. September, 19 Uhr) und die Schweiz (14. September, 16 Uhr), ehe es zum Vorrundenabschluss am 15. September (19 Uhr) gegen Olympiasieger Frankreich geht. Der 2,06 Meter lange Mittelblocker Anton Brehme hat zwar kein Verständnis für den extrem gestrafften Zeitplan, freut sich aber dennoch auf das Turnier, bei dem die jeweils besten vier Teams der vier Vorrundengruppen das Achtelfinale erreichen. Im Gespräch mit dem DOSB blickt der 27-Jährige, der in der kommenden Saison für die Wolfdogs Nagoya in Japan spielen wird, aber auch schon auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles voraus.

Anton, die deutschen Basketballerinnen spielen aktuell ihre Heim-WM, die komplett in Berlin stattfindet. Eure EM dagegen wird in vier Ländern ausgetragen. Wie gelingt es, dass trotzdem echte Turnierstimmung aufkommt?

Anton Brehme: Interessante Frage, da sind wir uns auch noch nicht ganz sicher. Die Halle wird wahrscheinlich ziemlich leer sein, wenn Rumänien nicht spielt, und viele Fans aus Deutschland sind auch nicht zu erwarten. Aber davon dürfen wir uns nicht beeindrucken lassen. Wir müssen selbst im Team für die richtige Stimmung sorgen, denn die ist sehr wichtig für uns, damit wir in den nötigen Flow kommen. Und vielleicht unterschätze ich auch die rumänischen Fans.

Ihr spielt eure Vorrunde in Cluj-Napoca in Rumänien. Welche Erfahrungen habt ihr mit diesem Gastgeber, was erwartet euch dort?

Ich persönlich habe noch nie in Rumänien gespielt, und ich glaube, das geht den meisten im Team so. Deshalb kann ich nicht einschätzen, was uns dort erwartet. Ich bin sicher, dass es im Duell mit den Rumänen eine sehr gute Atmosphäre geben wird. Grundsätzlich mache ich mir darüber aber keine Gedanken. Die Arenen, die für eine EM als Austragungsort ausgewählt werden, sind alle ähnlich und erfüllen alle notwendigen Standards. Insofern gehe ich offen und positiv an diese neue Erfahrung heran.

Mit welcher sportlichen Zielsetzung geht ihr in das Turnier? Wann wäre diese EM für dich persönlich ein Erfolg?

Das erste Ziel ist der Viertelfinaleinzug. Es gibt bei der EM wichtige Punkte für die Olympiaqualifikation zu gewinnen, und dafür wollen wir uns in die bestmögliche Position bringen. Aber wir würden natürlich gern auch den nächsten Schritt machen und an die historische EM-Silbermedaille von 2017 anknüpfen. Ich habe noch nie ein EM-Halbfinale gespielt, deshalb wäre die EM für mich persönlich ein Erfolg, wenn wir es über das Viertelfinale hinaus schaffen.

Lass uns auf die Gruppengegner schauen: Frankreich, Lettland, Rumänien, Schweiz und die Türkei. Die Franzosen sind Olympiasieger, ihr habt sie in der Nations League in diesem Sommer aber geschlagen. Die Türken lagen in der Nations League vor euch. Was ist also in dieser Gruppe realistisch möglich für euch?

Klar ist, dass wir uns in dieser Gruppe zumindest für das Achtelfinale qualifizieren sollten. Aber ich glaube, dass es auf jeden Fall machbar ist, unter die besten zwei zu kommen. Dass wir die Franzosen an einem guten Tag schlagen können, haben wir in der Nations League gezeigt. Uns ist bewusst, dass wir uns gegen keinen Gegner ausruhen können, die haben alle gute Spieler in ihren Reihen. Da müssen wir schon von Beginn an Vollgas spielen und werden nicht durchrotieren können. Aber wir sind in guter Form und auf einem guten Weg, auch wenn wir beim Vorbereitungsturnier in Italien alle drei Spiele verloren haben. Aber da waren wir körperlich auch echt platt.

Was zu einem Teil sicherlich an dem Weltrekordsatz lag, den ihr beim 2:3 gegen Weltmeister Italien gespielt habt. 66:64 nach 89 Minuten – wie war dieses Erlebnis für einen Aktiven auf dem Feld?

Das war schon krass. Am härtesten war es mental, ich konnte mich nach diesem ersten Satz gar nicht mehr so richtig konzentrieren, weil der so lang war wie viele komplette Matches. Letztlich haben wir mehr als dreieinhalb Stunden gespielt, und das hat mich körperlich noch ein, zwei Tage beschäftigt, ich hätte nie gedacht, dass mich ein einzelnes Spiel so mitnehmen könnte. Auf dem Feld hat noch keiner von uns richtig verstanden, was da eigentlich abging, aber als wir dann gesehen haben, wie viel darüber berichtet wurde, kam schon die Freude auf, Teil eines solchen Ereignisses gewesen zu sein. Dass wir 2:3 verloren haben, war da fast schon zweitrangig. Ich glaube, solche außergewöhnlichen Geschichten sind sehr interessant für unseren Sport.

Sportlich sehr interessant, aber auch sehr kraftraubend ist über den Sommer die Nations League. Welche Bedeutung hat sie für euch als Team, welchen Stellenwert hat sie im Vergleich zur EM?

Da es keine Qualifikationsturniere für die Olympischen Spiele mehr gibt, hat sie eine hohe Bedeutung, denn dort kann man Punkte für Los Angeles sammeln. Das Problem ist, dass wir nie mit dem kompletten Team durchspielen können, weil wir im Sommer auch Pausen brauchen. Ich habe in diesem Jahr nur die letzte von drei Wochen mitgespielt. Grundsätzlich macht es großen Spaß, man spielt an coolen Orten und trifft nur auf die Topteams. Und mit Blick auf Olympia sollten wir im kommenden Jahr wirklich auf die Zähne beißen und komplett mit unserem besten Team antreten. Die EM ist im Vergleich zur Nations League noch einmal sportlich hochwertiger, weil dort alle mit ihren besten Kadern dabei sind. Die EM ist sportlich und emotional der Saisonhöhepunkt.

In manchen Sportarten ist der EM-Titel sportlich wertvoller als ein WM-Titel, weil die Konkurrenz in Europa deutlich stärker ist. Wie ordnest du das für den Volleyball ein?

Bei uns ist das nicht der Fall, da kommen bei einer WM einige Nationen dazu, die die europäische Spitze schlagen können. Sportlich wertvoll wäre eine EM-Medaille für uns aber trotzdem, um Aufmerksamkeit auf unseren Sport zu lenken und um zu zeigen, dass mit dem deutschen Volleyball mit Blick auf Los Angeles zu rechnen ist.

Wie blickt ein deutscher Nationalspieler auf die EM der Frauen, bei der Deutschland in der vergangenen Woche im Viertelfinale gegen die Türkei ausgeschieden ist? Würdest du dir mehr Doppelveranstaltungen wünschen, um gemeinsam die Saisonhöhepunkte erleben zu können?

Definitiv, das wäre schon cool, das haben wir ja bei den Olympischen Spielen in Paris gesehen. Wir begegnen dem deutschen Frauen-Team regelmäßig im Trainingslager in Kienbaum, wir unterstützen uns gegenseitig und schauen uns die Spiele an, wann immer wir können. Gemeinsame Turniere fände ich wirklich schön, und ich glaube, dass auch der DVV sich freuen würde, weil das in der Planung und vielleicht auch finanziell manches erleichtern würde.

„Der Safe Sport Code bleibt ein lernendes Regelwerk“

DOSB: Maike, Florian, ihr seid im DOSB wahrscheinlich am tiefsten mit der Thematik vertraut. Wie lautet euer erstes Fazit nach knapp zwei Jahren Safe Sport Code?

Florian Pröckl: Der Safe Sport Code ist im organisierten Sport angekommen. Ein großer Teil der Mitgliedsorganisationen hat sich inzwischen intensiv mit der Einführung im eigenen Verband befasst. Eine Reihe von Verbänden hat den Code bereits durch die eigene Mitgliederversammlung verabschieden lassen, zahlreiche weitere werden voraussichtlich im kommenden Jahr folgen. Damit zeichnet sich ab, dass viele Organisationen den Safe Sport Code bereits deutlich vor Ablauf der von den Mitgliedsorganisationen selbst beschlossenen Umsetzungsfrist Ende 2028 implementieren werden. 

Maike Herrlein: Das ist aus unserer Sicht ein guter Zwischenstand. Man darf nicht vergessen, dass viele Verbände nicht jedes Jahr Mitgliederversammlungen durchführen, in denen die notwendigen Satzungs- und Ordnungsänderungen beschlossen werden können. Gleichzeitig ist die Einführung des Safe Sport Codes auch mehr als ein formaler Beschluss: Zuständigkeiten sind zu klären und die nach dem Code vorgesehenen Strukturen zu schaffen, damit Verfahren durchgeführt werden können. Vor diesem Hintergrund sind wir mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden.   

Gab es Entwicklungen, die euch überrascht haben oder mit denen ihr vorher so nicht gerechnet hättet?

Florian: Überrascht hat uns, wie groß das Interesse bei den Verbänden auf Landesebene und teilweise sogar bei den Vereinen bereits ist. Wir sprechen seit der ersten Veröffentlichung des SSC von einem Dekadenprojekt: Der Code soll schrittweise oder kaskadenartig von oben nach unten in die unterschiedlichen Ebenen des organisierten Sports hineinwirken. Eine flächendeckende Einführung auf Ebene der Landesverbände ist daher bewusst kein kurzfristiges Ziel. Und die Vereine kommen noch deutlich später. Gerade auf Vereinsebene ist es aus unserer Sicht ohnehin deutlich wichtiger, dass dort die Prävention funktioniert. Dass Schutzkonzepte vorhanden sind, Verantwortliche für das Thema sensibilisiert und qualifiziert werden und funktionierende Melde- und Beratungswege bestehen. Ein eigenes Sanktionssystem aufzubauen, um Strafen nach Fällen von Gewalt im eigenen Verein aussprechen zu können, erfordert dagegen Ressourcen, die viele Vereine nicht haben. Diese können und müssen aber auch nicht alle Vereine selbst vorhalten, wenn sie den Safe Sport Code umsetzen wollen. Denn hierfür müssen wir externe Strukturen schaffen, auf die Vereine bei der Durchführung von Untersuchungs- und Disziplinarverfahren zurückgreifen können. Der Aufbau dieser Strukturen wird allerdings noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Umso bemerkenswerter ist es, wie viele Vereine aber auch jetzt schon bereit sind, die Ressourcen trotzdem zu schaffen, und wie engagiert sie generell bei der Bekämpfung von interpersonaler Gewalt sind.

Warum war es notwendig, bereits vergleichsweise früh einen ersten Evaluierungsprozess anzuschieben und abzuschließen?

Maike: Die wichtigsten Erkenntnisse, ob etwas Neues funktioniert oder ob es an der ein oder anderen Stelle noch Anpassungen bedarf, erhält man regelmäßig erst im Prozess der Umsetzung, mit anderen Worten, wenn sich Personen mit dem Regelwerk intensiv beschäftigen. Etwas Vergleichbares zum Muster-Safe-Sport-Code gab es im deutschen Sport in dieser Form bislang nicht. Deswegen war klar, dass wir bestimmte Fragen erst dann wirklich beantworten können, wenn die Mitgliedsorganisationen mit der konkreten Implementierung beginnen und vielleicht sogar bereits erste praktische Erfahrungen mit dem Regelwerk sammeln konnten. Genau diese Erfahrungen wollten wir frühzeitig aufnehmen. Uns ging es darum zu schauen: Welche Regelungen funktionieren gut? Wo bestehen Verständnisfragen? Und wo zeigen sich bei der praktischen Umsetzung Punkte, die präzisiert oder angepasst werden sollten?

ZukunftsArena im DOSB: Wo der Wille zu Veränderung greifbar wird

Allzu oft kommt es nicht vor, dass Menschen sich über einen deutlichen Zuwachs an Arbeit freuen. Aber Michaela Röhrbein hinterließ am Donnerstagnachmittag im Haus des Sports an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise den ehrlichen Eindruck, mit den Resultaten der „ZukunftsArena 2026“ durchaus zufrieden zu sein. „Wir haben jetzt eine volle Agenda, aber wir werden uns gemeinsam mit euch darum kümmern. Wir werden Schritt für Schritt gemeinsam vorangehen und schauen, welche Veränderungen uns unseren Zielbildern für Sportdeutschland 2035 tatsächlich näherbringen – und wie wir sie gemeinsam verantworten und in die Umsetzung bringen können“, rief die Vorständin für Sportentwicklung im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) den rund 75 Teilnehmenden – zum größten Teil aus den Führungsebenen der Mitgliedsorganisationen –, die sich im DOSB-Hauptsitz zu so intensiven wie wichtigen Diskussionen getroffen hatten, zu.

Auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2025 wurden sechs messbare Ziele für Sportdeutschland 2035 verabschiedet. Sie bilden als langfristiger Orientierungsrahmen die Grundlage dafür, den organisierten Sport angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher, demografischer, technologischer und ökologischer Veränderungen zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Seitdem wurden die Ausgangslagen für alle sechs Ziele umfassend analysiert, in zwei Calls mit den Mitgliedsorganisationen diskutiert und daraus sechs große Hebel für die nächsten Entwicklungsschritte abgeleitet. Und weil die Ziele nur erreicht und die Hebel umgelegt werden können, wenn in Sportdeutschland möglichst viele mitziehen, soll in regelmäßigen Diskussionsformaten an ihrer gemeinsamen Weiterentwicklung gearbeitet werden. Die ZukunftsArena markierte damit den nächsten Schritt einer beteiligungsorientierten Entwicklung von der Analyse über strategische Richtungsfragen und Zukunftsbilder hin zu konkreten Maßnahmen. 

Michaela Röhrbein hält im Ziele-2035-Prozess die Fäden zusammen. Die ZukunftsArena wurde vom gesamten DOSB-Vorstand getragen und gemeinsam mit dem Ziele-2035-Kernteam aus Alexander Best mit Gesa Krensing, Miriam Seib und Max Brenker vorbereitet. Vorstand und Kernteam hatten bewusst zu ergebnisoffenen Diskussionen eingeladen, aus denen konkrete Handlungsaufträge entstehen sollten. Genau dieser Geist war schon am Mittwochabend spürbar. In einem energiegeladenen und inspirierenden Impulsvortrag blickte Dr. Arne Göring, Sportsoziologe und Leiter der Zentralen Einrichtung für Sport und Gesundheit an der Georg-August-Universität Göttingen, auf die gesellschaftliche Entwicklung bis 2035 voraus. „Smartphones und KI sind weiterhin die größten Umwälzungen, die wir erleben werden. Die Digitalität ist der Katalysator der De-Institutionalisierung des Sports“, so seine Prognose.

Ronny Rauhe ist neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt

Es war eine Personalie, die viele überraschte. Am Donnerstag um 14.30 Uhr trat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Bundeskanzleramt in Berlin vor die Medien, um die Neubesetzung einer Position zu verkünden, die seit Ende Juli vakant war. Nachfolger von Christiane Schenderlein, die vom Bundeskanzler als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium versetzt worden war, und damit neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt wird Ronald Rauhe. Der 44 Jahre alte Berliner, der im Kanurennsport zwei olympische Goldmedaillen und insgesamt 16 WM-Titel gewinnen konnte, übernimmt das nach der Übernahme der aktuellen Regierungskoalition aus CDU und SPD im Frühjahr 2025 neu geschaffene Amt von der CDU-Politikerin Schenderlein, deren Demission in den vergangenen Wochen von vielen Seiten – auch aus dem DOSB – ebenso deutlich kritisiert worden war wie die Hängepartie bei der Neubesetzung.

„Mit Ronald Rauhe als neuem Minister für Sport und Ehrenamt möchte die Bundesregierung ein Zeichen setzen, dass wir den deutschen Sport als ein wichtiges Aufgabengebiet sehen. Gleichzeitig übernimmt er auch die Aufgabe, das Ehrenamt in Deutschland zu stärken. Ich bin sehr sicher, dass er der richtige Mann sein wird, auch hier im Bundeskanzleramt diesen großen Bereich des Sports und des Ehrenamts in unserer Republik zu stärken, zu unterstützen und auch jederzeit den Zugang zum Bundeskanzler zu haben. Ich freue mich sehr und danke noch einmal für die Bereitschaft, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagte Merz, der Rauhe schon in einem vor der Pressekonferenz veröffentlichten Instagram-Post in seinem Team willkommen geheißen hatte.

Rauhes Gefühlswelt: stolz, glücklich, ein bisschen überwältigt

Der neue Staatsminister verglich seine emotionale Befindlichkeit mit dem Gewinn seiner ersten olympischen Medaille. „Ich war 18 Jahre alt, ich war stolz, ich war glücklich. Natürlich auch ein bisschen überwältigt. Aber eins wusste ich schon damals sehr genau: Diese Medaille gehört mir nicht alleine. Dahinter standen Trainerinnen und Trainer. Meine Familie, Ehrenamtler und ein Land, das mir die Möglichkeit gegeben hat, diesen Traum zu leben. Heute erlebe ich wieder einen Moment, der mich sehr berührt. Nicht als Athlet, sondern ab heute als Staatsminister für Sport und Ehrenamt. Vielen Dank für dieses Vertrauen“, sagte er.

Drei Dinge lägen ihm besonders am Herzen: Er wolle die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele mit voller Kraft vorantreiben. Deutschland solle wieder zu den erfolgreichsten Sportnationen der Welt gehören und deshalb die beschlossene Spitzensportreform konsequent weiter vorantreiben. Und er werde dafür kämpfen, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Spitzenleistungen entstehen können, sicher und mit starken Trainerinnen und Trainern sowie Ehrenamtlichen, die mehr Unterstützung und vor allem volle Wertschätzung erhalten sollen. „Ich weiß, es liegen große Aufgaben vor uns, aber wenn ich eins im Sport gelernt habe, ist es, dass man große Titel niemals allein erreicht. Man erreicht sie gemeinsam. Sport und Ehrenamt können unser Land stärker machen, und genau dafür möchte ich arbeiten“, sagte er.

36 Sportarten, 62 Disziplinen: Karlsruhe bietet die vielfältigsten World Games

Die World Games 2029 in Karlsruhe nehmen immer mehr Form an. Nachdem bereits Ende April über einen Großteil des Sportartenprogramms entschieden worden war, steht seit diesem Donnerstagmittag nach Verhandlungen mit dem Weltverband IWGA fest, dass die Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten, die vom 19. bis 29. Juli 2029 in der drittgrößten Stadt Baden-Württembergs stattfinden sollen, die vielfältigste Ausgabe seit der ersten Austragung im Jahr 1981 werden wird. 36 Sportarten stehen auf dem Programm, insgesamt werden in 62 Disziplinen Medaillen verliehen. Bei der bislang letzten Ausgabe im vergangenen Jahr in Chengdu (China) waren 34 Sportarten dabei. Deutschland trat in 25 davon an und belegte mit 45 Medaillen – 17 Gold-, 14 Silber- und 14 Bronzemedaillen – Rang zwei im Medaillenspiegel hinter Gastgeber China.

Neu im Programm sind unter anderem Hockey mit der Disziplin Hockey5, Air Badminton, Minigolf und Hallenradsport. Dafür wurde zum Beispiel die Kampfsportart Sambo gestrichen. Die gesamte Sportartenliste ist hier zu finden. Auch die Inklusion des Para-Sports wird vorangetrieben. Nachdem in Chengdu im Freediving und im Ju-Jutsu Para-Wettkämpfe inkludiert waren, wird dieses nun auch auf Para-Kanu, Para-Karate und Para-Sportklettern ausgeweitet. Insgesamt werden rund 4.000 Athlet*innen aus ungefähr 100 Nationen erwartet. Im Oktober, rund um die „1.000 Days to go“-Marke, werden erstmals Vertreter*innen der teilnehmenden Weltverbände und Nationalen Olympischen Komitees zu einem Treffen in Karlsruhe zusammenkommen. Die Wettkampfstätten sollen bis Frühjahr 2027 festgelegt werden, das genaue Wettkampfprogramm soll im Herbst 2027 stehen. Karlsruhe ist nach 1989 zum zweiten Mal Gastgeber, erstmals kommen die World Games damit in eine Stadt zurück, die schon einmal Ausrichter war. 2005 war zudem Duisburg Gastgeber.

Initiative für zukunftsfähige Vereinsheime gestartet

„Vereinsheim 2.0“ richtet sich an alle Fußballvereine des DFB, aber auch an alle weiteren dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) angeschlossenen Sportvereine, darüber hinaus an Städte, Gemeinden und kommunale Träger, die gemeinsam mit ihren Sportvereinen in moderne, nachhaltige Infrastruktur investieren möchten. Der DOSB sowie die Landessportbünde und -verbände standen dem DFB bei der Erstellung der Publikationen unterstützend zur Seite.

Die Veröffentlichungen setzen sich aus drei Elementen zusammen: Ein Handbuch dient als wesentliches Werkzeug, um ein Vereinsheim strukturiert betrachten, hinterfragen und einschätzen zu können: funktional, technisch und baulich. Außerdem begleitet es Vereine praxisnah auf dem Weg zur besten Lösung und unterstützt bei Fragen zu Fördermitteln, Baurecht und Nachhaltigkeit. Eine von Expert*innen, Fachplaner*innen und Vertreter*innen von Amateurvereinen gemeinsam entwickelte Funktionale Leistungsbeschreibung definiert in Grundzügen die räumlichen, technischen und organisatorischen Parameter eines zukunftsfähigen, idealtypischen Vereinsheims. Vereine finden hier Orientierung für Raumgrößen, Wegebeziehungen und Angaben zu notwendigen technischen Anforderungen.

Vereine und Kommunen, bei denen ein Neubaubedarf besteht, können auf einen Katalog zurückgreifen, der 16 zertifizierte, schlüsselfertige Mustervereinsheime in vier Größen umfasst und für den klassischen Dorfverein bis hin zu komplexen Sportanlagen mit mehreren Spielfeldern modulare und skalierbare Lösungen bietet. Der Katalog ist das Ergebnis einer EU-weiten Ausschreibung mit Bauunternehmen im seriellen, modularen Holzfertigbau. Die Gewinner hat der DFB über eine Rahmenvereinbarung vertraglich gebunden. Die Vorteile sind Kostensicherheit, kurze Planungs- und Bauzeiten sowie flexible, nachhaltige Lösungen.

Die Veröffentlichungen sind in gedruckter Form sowie online hier abrufbar.

Alex Wilke vor doppelter Heim-WM: „Das Potenzial für eine Medaille ist da“

Die Kette um ihren Hals ist ein klares Statement für das, was sie antreibt. Die Olympischen Ringe in Silber schmücken Alexandra Wilkes Dekolleté, und wer die 29-Jährige auf den bisherigen Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere anspricht, erhält als Antwort ein vor Verzückung leuchtendes Gesicht und eine Einordnung, die die Faszination des wichtigsten Sportereignisses der Welt in zwei prägende Sätze kleidet. „Für mich war es eine andere Welt, in die ich eintauchen durfte. Es ist das größte Erlebnis, das wir haben können“, sagt die Basketball-Nationalspielerin, die 2024 in Paris die Olympiapremiere der deutschen Frauen miterlebte, die erst im Viertelfinale mit der 71:84-Niederlage gegen die Gastgeberinnen aus Frankreich endete.

Sie habe vorher zwar geahnt, dass die Spiele ein Level der Wahrnehmung garantieren, das durch nichts anderes erreicht wird. „Aber dass gefühlt wirklich jeder Olympia verfolgt und es allen ein Begriff ist, wenn man erzählt, dass man daran teilgenommen hat, ist wirklich der Wahnsinn“, sagt die Team-D-Athletin, die in dieser Woche mit dem deutschen Nationalteam in ein Abenteuer startet, das sie zumindest in ihrer Imagination nicht weit unterhalb der Olympischen Spiele einsortiert: die Heim-WM, die von diesem Freitag bis zum 13. September in Berlin ausgetragen wird. „Ich tue mich noch schwer, es in Worte zu fassen. Überhaupt bei einer WM dabei zu sein, ist eine große Sache für uns“, sagt sie angesichts der Tatsache, dass die bislang einzige WM-Teilnahme deutscher Basketballerinnen von 1998 datiert. Damals war man nur qualifiziert, weil Deutschland mit Münster, Wuppertal, Rotenburg/Fulda, Karlsruhe, Dessau, Bremen und Berlin Gastgeber war. Es reichte immerhin zu Rang elf.

Alex Wilke sieht das Potenzial für eine Medaille

In diesen Tagen sind die Vorzeichen andere. Dass die USA als Titelverteidiger und Rekordchampion Topfavorit auf WM-Gold sind, muss nicht lange diskutiert werden. Aber Deutschland, das im vergangenen Jahr bei der Heim-EM Rang fünf belegte, ist sportlich konkurrenzfähig. Alex Wilke hat zwar die Ansage verinnerlicht, dass sie und ihr Team „Schritt für Schritt gehen“ wollen. Dennoch sagt sie deutlich: „Das Potenzial für eine Medaille ist da!“ Daran habe auch der Ausfall von Topspielerin Satou Sabally nichts verändert. Die 28-Jährige von New York Liberty aus der nordamerikanischen Profiliga WNBA musste wegen der Folgen einer Gehirnerschütterung ihre Teilnahme absagen, was Alex Wilke vor allem auf persönlicher Ebene extrem leid tut. „Sie ist wie ich in Berlin aufgewachsen, wir haben in der Jugend schon gegeneinander gespielt. Es wäre für sie etwas sehr Besonderes gewesen, diese WM zu spielen. Natürlich ist ihre Absage ein krasser Rückschlag. Aber trotz ihres Ausfalls müssen wir unsere Ziele nicht zurückschrauben“, sagt sie.

Das ist mutig, schließlich stehen auch hinter den Einsätzen von Saballys zwei Jahre jüngerer Schwester Nyara (Toronto Tempo/Wadenverletzung) und Leonie Fiebich (26/New York Liberty), die am linken Fuß verletzt ist, noch Fragezeichen, beide haben wochenlang nicht gespielt und werden kaum in Topform in der Hauptstadt auflaufen. Aber weil im Aufgebot von Bundestrainer Olaf Lange in Luisa Geiselsöder (26) und Frieda Bühner (22/beide Portland Fire) zwei weitere WNBA-Spielerinnen stehen, schätzt Alex Wilke die Qualität im Team als hoch genug ein, um sich in den Vorrundenspielen gegen Spanien (4. September, 17.45 Uhr), Japan (5. September, 18 Uhr) und Mali (7. September, 17.50 Uhr) zu behaupten und als Gruppensieger direkt ins Viertelfinale einzuziehen. „Spanien zum Auftakt ist der härteste Gegner, wir kennen sie sehr gut, haben bei der EM im vergangenen Jahr in der Gruppe gegen sie verloren und deshalb noch eine Rechnung offen. Japan ist unbequem, sie spielen sehr schnell und wuselig, aber wir haben sie in Paris besiegt. Und Mali ist der Gegner, den man in dieser Gruppe schlagen muss“, sagt sie. 

Die Zweiten und Dritten der vier Vorrundengruppen bestreiten Qualifikationsspiele um die vier weiteren Plätze für die Runde der letzten acht. Mit diesem Umweg könnten bis zu einer Finalteilnahme sieben Partien binnen neun Tagen zusammenkommen. Eine Belastung, die Alex, die mit dem Team seit vergangenem Freitag in Berlin trainiert, als grenzwertig einordnet. „Wir kennen zwar Back-to-back-Spiele, aber auf diesem Niveau ist das schon etwas irre. Der Spielplan ist wirklich extrem eng, insbesondere für die WNBA-Spielerinnen, die direkt aus der Saison kommen. Aber wir haben einen tollen Staff, der sich damit auskennt, die Belastung zu steuern und der Regeneration ausreichend Raum zu geben, deshalb mache ich mir keine Sorgen“, sagt sie.

„Wir müssen glaubhaft vermitteln, dass wir da sind, wenn etwas passiert“

DOSB: Die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind in der gesamten Republik ein wichtiges Thema. Christian, mit welchen Gefühlen schaust du persönlich nach dem monatelangen Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf den 6. September?

Christian Schreiber: Bei uns hat sich das Gefühl exponentiell verstärkt, dass wir wegen des sehr intensiven Austauschs im Verband über die vergangenen Monate an einem Punkt sind, wo wir spüren: Es braucht jetzt einen Abschluss. Gefühlt befinden wir uns in einem intensiven Endspurt, der Wahlkampf ist lauter als sonst. Jeder hatte die Chance, sich ein Bild zu machen, wie sich die Parteien positionieren und äußern. Das Szenario wird, da müssen wir nicht drumherum reden, davon geprägt, dass die AfD in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, aber in den Umfragen deutlich führt. Jetzt brauchen wir die Wahl und die Ergebnisse, damit wir damit arbeiten können.

Ihr habt über Monate den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt verfolgt. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Christian Schreiber: Wir haben uns als Landessportbund viele Gedanken gemacht, uns sehr intensiv mit den Positionen der Parteien auseinandergesetzt. Ich bin ja nicht nur Geschäftsführer im LSB, sondern auch Sachsen-Anhalter, ich lebe in Halle und spüre, dass es ein Wahlkampf ist, der anders ist als vorherige, weil die AfD in Umfragen so weit vorn liegt, dass es zu einer parlamentarischen Mehrheit reichen könnte. Das gesellschaftliche Klima ist angespannter als sonst. Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik ist immens. Das Spannungsfeld reicht von „Ich würde der aktuellen Politik keine guten Noten geben, aber wähle nicht AfD“ bis hin zu „Ich bin aus Überzeugung loyaler Follower der AfD“. Wir nehmen dieses Spannungsfeld überall wahr, sehen die Aufläufe an den Wahlständen. Das erzeugt ein Gefühl von Ungewissheit, und das ist unangenehm. Diese Stimmung ist greifbar.

Ihr habt euch auch konkret eingebracht, habt zwölf plus zwei Wahlprüfsteine an alle derzeitigen Fraktionen des Landtages sowie das BSW gesendet und sportpolitische Forderungen gestellt. Was sind eure Erkenntnisse bisher?

Christian Schreiber: Unsere Kreis-/Stadtsportbünde sowie Fachverbände und Vereine wollten wissen, wie wir uns positionieren. Wir haben mit allen Parteien dazu gesprochen, zunächst ohne AfD und BSW, später auch konkret mit ihnen. Basierend auf deren Wahlprogrammen haben wir ihnen weitere konkrete Fragen gestellt. Alle Parteien haben die Wahlprüfsteine beantwortet, bis auf das BSW auch sehr fundiert und detailliert. Wir haben alles umfassend auf unserer Homepage veröffentlicht, weil wir das Gefühl hatten, dass wir als Dachverband diese detaillierte Arbeit leisten müssen. Bei der AfD bestehen gerade bei den Themenbereichen Integration und Inklusion große Fragezeichen, ob das mit den Werten des Sports, wie wir sie kennen und schätzen, vereinbar ist. Das ruft bei vielen Befürchtungen hervor, bei manchen auch Ängste. Gleichzeitig schreckt es uns nicht ab, uns damit auseinanderzusetzen, wir stellen umso mehr die notwendigen Fragen. Es werden mit Aussagen wie „Integrationskonzept gescheitert“ Bilder gezeichnet, die eine extreme Separierung von Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund befürchten lassen. In Interviews wird das zwar relativiert, aber daran merkt man die Unklarheiten von AfD-Politikern, die bestehen.

Wie kann und wie sollte sich der Sport bezüglich der anstehenden Wahlen positionieren, warum ist eine Positionierung wichtig?

Otto Fricke: Weil sie Sicherheit und allen Beteiligten im Sport das Gefühl gibt: Wenn ich mich an diese Richtlinien halte, bin ich nicht allein. Gemeinschaft ist das, was den Sport ausmacht. Mit einer Positionierung bildet der Sport ein Bollwerk gegen Angriffe von außerhalb der demokratischen Ordnung. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass wir uns gegen jeglichen Extremismus positionieren, um bei allen Diskussionen sagen zu können: Wenn es sich um Extremismus handelt, der sich gegen unsere Grundwerte richtet, gehen wir dagegen vor! 

Christian Schreiber: Wir haben uns gegen jegliche Form von Extremismus positioniert und konnten das Gefühl vermitteln, dass wir gut vorbereitet sind und uns intensiv mit der Thematik beschäftigen. Wir sind, das spiegeln uns unsere Kreise und Verbände, eine Art Gatekeeper. Wir wissen, wie das Stimmungsbild ist, aber wir fragen niemals ab, wer was wählt, wie wir auch keinen Unterschied machen zwischen Hautfarbe oder Dialekt. Eine Positionierung hat die wichtige Bedeutung, dass wir weiterhin fest zu unseren Werten stehen. Diese stehen schon lange Zeit bei uns in Paragraf zwei unserer Satzung sowie in unserer Richtlinie für gute Vereinsführung. In einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand unserer Sportjugend haben wir die Gruppe gebildet, die in Krisensituationen geschlossen agiert, und in diesem Kreis beschlossen, dass wir mögliche Streitpunkte ausdiskutieren, um mit einem umfassenden Mandat antreten zu können. 

Wer nicht Teil des Wahlkampfes in Sachsen-Anhalt ist, bekommt manchmal das Gefühl, dass es zu wenige Möglichkeiten echten Dialogs zwischen Menschen mit gegensätzlichen politischen Ansichten gibt. Welche Dialogmöglichkeiten sollte der Sport bieten, und welche gab es in Sachsen-Anhalt konkret?

Christian Schreiber: Ich teile diese Prämisse nicht. Wir haben uns im Februar in einer Klausur mit Präsidium und Vorstand verständigt, dass wir tiefer in die Fläche gehen. Der Sport hat immer wieder Möglichkeiten geboten, dass sich Menschen mit verschiedenen Positionen in einem Raum treffen. Dort wurde auch mal zugehört, das ist das wichtigste Tool, um Konflikte auszuhalten. Das ist nichts, was wir den Vereinen sagen müssen, das ist ein gemeinsames Verständnis. Denk- und Kontaktverbote, die von Medien immer wieder suggeriert werden, sorgen für eine gefühlte Verengung in der Meinungsäußerung, obwohl es faktisch keine Einschränkungen gibt. Im Sport ist man zusammengekommen und hat darüber gesprochen. Es ist aber nicht die Aufgabe des Sports, die Mitglieder zusammenzurufen und statt gemeinsamen Sporttreibens über Politik zu diskutieren, gleichzeitig ist dies aber möglich. Generell sind wir jedoch kein geeignetes Instrument für politischen Aktivismus.

Otto Fricke: Das wäre ungefähr so, als wenn wir Menschenrechtsaktivisten dazu auffordern würden, dass sie mal mehr Sport treiben sollten, weil wir uns für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele bewerben. Sport bietet, gerade im Teamsport, immer Nähe, man kommt nah an andere Menschen heran, berührt sie im wahrsten Wortsinn. Alle Kontaktverbote führen dazu, dass die Kameradschaft, die im Sport üblich ist, kaputt gemacht wird. Niemand muss sich zu politischen Themen äußern, aber eine Offenheit dafür, vernünftig miteinander zu reden, ist dem Sport immanent. Nähe sollte immer möglich sein.